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Die erste audiovisuelle Bürgerfunksendung auf OS-Radio 104,8 aus Osnabrück.

»Zwischen Mettbrötchenyoga und Schreibblockade«

Wir haben uns mit Lynger getroffen und sie hat uns sehr ausführlich beschrieben, wie es ist, wenn man im Musikbusiness Fuß fassen möchte und auf welche Widerstände man dabei trifft.
Sie hat uns sehr persönliche Einblicke gewährt in ihre Welt und in die Welt ihrer Musik, die sicherlich besonders und ungewöhnlich ist. Viele Zuhörer reagieren zunächst eher mit Verwunderung oder gar Unverständnis, doch diese Irritation ist durchaus beabsichtigt, so Lynger.
Die Arbeit an ihren Texten ermöglicht es ihr, sehr individuell zu sein und schenkt ihre eine Freiheit, die sie zuvor in ihrem Leben nicht finden konnte. Es ist das erste Mal, sagt sie, dass sie wirklich mit sich und der Welt im Reinen ist. Sie hat etwas gefunden, was sie gerne machen möchte und hat dabei entdeckt, dass es für sie auch eine therapeutische Wirkung hat, denn Rap ist zu ihrer ganz persönliche Therapie geworden.
Ihre Musik bezeichnet sie als Troll Rap, wobei der Begriff Troll aus dem Jargon der Gamer stammt und ist jemand, der andere gern provoziert und hochnimmt.
Als Autodidaktin geht sie sehr unkonventionell an das Musikmachen heran. Sie schreibt die Texte und unterlegt sie mit Beats, mixt alles zusammen und so entstehen ihre Songs. Sie ist dabei komplett auf sich gestellt und hat sich ihre Skills autark angeeignet.
Auch ohne Musikstudium hat sie es geschafft, in diesem Jahr auf der Maiwoche als Solokünstlerin Lynger auf der Herrenteichswall-Bühne aufzutreten.
Sie hat uns beschrieben, wie viel Arbeit hinter all dem Spaß auch steckt, und man kann es gut nachempfinden, dass sie bereit ist, all das auf sich zu nehmen, weil sie überzeugt ist von ihrer Sache. Sie brennt dafür und möchte dieses Leben nicht mehr gegen einen normalen Arbeitsalltag eintauschen, obwohl sie bislang noch kein Geld mit ihrer Kunst verdient oder zumindest nicht genug, um davon leben zu können.
Für den Lebensunterhalt geht sie auch weiterhin arbeiten, doch das ist es ihr wert.
Neben ihrem Soloprojekt Lynger hat sie noch eine Band gegründet, mit der sie eigentlich seriöse Rockmusik machen wollte - so war zumindest der Plan. Die Band heißt Tentacle Slave. Gemeinsam mit den anderen drei Bandmitgliedern hat sie dann aber doch gespürt, dass diese humoristische Attitüde wohl einfach dazu gehört und so, sagt sie, »sind wir jetzt auch 'ne Troll Band«.
Die Musiker, Gitarre, Bass und Schlagzeug, die teilweise Musik studiert haben und sie selbst als Frontfrau übernimmt den Gesang und die Moderation. Und dafür hat sie sich etwas Besonderes einfallen lassen, nämlich ein Glücksrad; so wird dann live auf der Bühne bei den Konzerten ausgelost, welcher Song gespielt werden soll. Was zunächst nur als Gag gedacht war, gehört nun fast schon zum Standartprogramm der Band, denn es kommt gut beim Publikum an. Natürlich erschwert es die Vorbereitung für die Band, da man nie weiß, welches Lied es dann sein wird, und ob man dann vielleicht ein Lied auch dreimal spielen muss, wenn das Glücksrad dreimal das gleiche anzeigt.
Grundsätzlich ist also eine Menge Humor mit im Spiel, und der Band und ihr geht es ja letztlich darum, die Menschen zu unterhalten, sie zu 'catchen', die Leute zu erreichen. Das ist, so Lynger, vielleicht die schwerste Kunst als Entertainer oder Promoter überhaupt und wenn man das hinkriegt, dann hat man schon viel gewonnen.
Die Lyrics bei Lynger sind hauptsächlich auf Deutsch und in der Band auf Englisch, wobei sie auch erklärt, dass das englische ihr ja auch so einen gewissen Schutz oder Abstand gibt, weil es nicht ihre native Sprache ist. Man hat so einfach etwas mehr Distanz zu sich selbst und kann sich ganz gut dahinter verbergen. Sie hat allerdings auch geschildert, dass die Leute bei deutschen Texten natürlich sehr genau hinhören. Da muss der Text schon stimmig sein. Bei den englischen Texten ist das nicht so - da achtet man eher auf die Musik und auf das Gesamtkonzept. Deswegen, so sagt sie, ist das eigentlich sehr schade, denn »ich geb‘ mir so viel Mühe mit den Texten undschreib da lustige Sachen und die Leute kriegen das gar nicht mit. Ich muss denen das dann erklären und fragen: hast du das, habt ihr das auch gehört?« Sie macht das sehr gerne. Das ist ihre Affinität zum Schreiben, die sie ja überhaupt erst dazu gebracht hat, Musik zu machen.

Troll Rap und nun noch die Troll Band zwischen Mettbrötchenyoga, der Schreibblockade und dem Memo an mich ist noch ein bisschen Platz für Alice in Raveland - die Lieder, die sie schreibt sind schon ein bisschen speziell, immer mit einer großen Prise Humor gewürzt, immer auch überzogen und provokant (Anus bleachen), aber immer auch mit einer Botschaft versehen, so Lynger.
So etwas wie Muss morgen Vorlesung oder Drunk auf nem Dixie sind Beschreibungen, die natürlich lustig daher kommen und so ein bisschen ihren Lebensstil illustrieren. Sie hat auch gesagt, dass sie anständigen Beruf gelernt und auch studiert hat, aber das dies alles nichts für sie ist. Das passt nicht zu ihrem Lebensstil und nun hat sie ihre Bestimmung in dieser Musik gefunden.
Sie brennt wirklich für die Musik und fürs Musik machen. Im Lauten Speicher am Osnabrücker Hafen hat sie die Möglichkeit, ihre Tracks aufzunehmen und erhält auch gelegentlich Unterstützung von anderen Musikern, die ihr helfen, die passenden Tracks zu entwickeln. Sie arbeitet aber daran, das alleine weiter zu entwickeln und ist da sehr offen für Inspiration und für Unterstützung in jeder Hinsicht. Bisher macht sie alles alleine: das Booking, das Merchandising und sie kümmert sich um die Gigs, damit sie auch auftreten kann.
Sie hat uns auch erklärt, wie aufwändig es ist, um überhaupt ein Konzert spielen zu können. Dafür muss man sich richtig bewerben - schriftlich - und so schreibt sie an die 400 Bewerbungen im Jahr.
Zudem soll es auch stimmig sein, was sie macht. Ihr Musikstil passt nicht überall hin, weil es sehr speziell und einzigartig ist. Und da gibt es zum einen Leute, die das total feiern und umgekehrt auch solche, die diese Musik überhaupt nicht mögen. Es ist polarisierend, aber das ist genau das, was sie machen möchte.
Lynger hat uns auch erklärt wie es zu ihrem Namen kam, er ist eine Mischung aus ihrem Vornamen Linda und ihre Haarfarbe Ginger und daraus hat sie Lynger gemacht, was eine schöne Verbindung ergibt und unter diesem Namen tritt sie auf und unter diesem Namen ist sie auch schon ein bisschen bekannt, jedenfalls hier in der Region aber sie spielt auch Konzerte, die über die Region Osnabrück hinausgehen, sie tritt also auch in anderen Städten auf, bundesweit und sie hofft mit ihrer Band daran anknüpfen zu können.
Damit der Hip-Hop auch in Osnabrück weiterhin gepflegt und auch gehört wird, gibt es das Hippiedie Hoppedie Festival in der Kleinen Freiheit und soll in regelmäßigen Abständen dort stattfinden. Lynger hat dabei die Aufgabe, alles zu moderieren und auch zu organisieren. Dafür hat sie sich eine ganze Menge überlegt und es ist natürlich eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Details dazu im Video.
Somit hat sie eine Menge Projekte, die sie begleitet.
Das ist also Lynger, eine ungewöhnliche junge Frau, die ihren Weg gesucht und ihn offensichtlich auch gefunden hat. Und da kann man ihr nur wünschen, dass sie weiterhin erfolgreich damit sein wird und dass sie viele Fans findet. Leute, die das mögen, die das feiern, die verstehen, was sie macht und die sie unterstützen.
Ihre Art und Weise, wie sie ihre Texte rüberbringt ist sehr sympathisch und sehr authentisch und das schätzen die Menschen an ihr. Insofern darf man gespannt sein, was wir von Lynger noch alles hören werden.
Wer mehr wissen möchte, kann auf ihrer Internetseite unter www.lynger.de Informationen erhalten und natürlich kann man auf den Streaming-Plattformen ihre Musik anhören.


Betreiberin:
Claudia Wolfgramm

Kontakt:
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