Die 90er Jahre warfen ihre Schatten voraus, als am 09.November 1989 Günter Schabowski den DDR Bürgern etwas unbeholfen mitteilte, dass sie das Land verlassen dürfen und eine neue Regelung für Privatreisen nach dem Ausland in Kraft trete.
Auf die Frage eines Journalisten während einer Pressekonferenz, ab wann denn diese Regelung gelte, antwortete er mit dem inzwischen legendären Satz: „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich.“
Diese Information wurde zur Weltnachricht und erschütterte unser bis dahin geprägtes Weltbild nachhaltig, allerdings in diesem Fall positiv.
Ich erinnere mich daran, das mir Menschen aus dem Ausland gratuliert haben zu dieser friedlichen Revolution, denn dieser ganze Vorgang ging überraschender Weise völlig unblutig von statten.
Wie außergewöhnlich die Zusammenführung der 'zwei deutschen Staaten' tatsächlich war, wird erst im Nachhinein deutlich. Noch nie gab es eine derart einschneidende politische Entwicklung, die ähnlich friedlich abgelaufen ist.
Die Zeichen der Zeit standen auf Versöhnung und eine neue Weltordnung, der Osten ist doch gar nicht so böse, wie immer allgemein angenommen wurde und Gorbi (Michail Gorbatschow, der damalige russische Präsident) wurde zu unserem Freund.
Ein Bruderkuss der ganz anderen Art wurde installiert und besonders in Berlin war diese Stimmung ausschlaggebend. Der Duft vom langersehnten Weltfrieden lag in der Luft, wenn auch nur für kurze Zeit.
Neue Trends entwickelten sich, vorrangig in Berlin und dort feierte man jahrelang die von Dr. Motte erfundene Love-Parade mit viel lauter Elektro- Musik, zum Zeichen des neuen Miteinanders. Hier wurde vorrangig Techno, House und electronic dance music gespielt und es kamen zu Hochzeiten bis zu 1 Million Menschen in die junge Hauptstadt des Rave. Viele DJs legten auf und wurden berühmt für ihre Samples.
Doch gleichzeitig entwickelte sich auf der anderen Seite der Welt eine neue Musikrichtung, Grunge und der kam mit eher düsteren schweren Klängen und schroffen Gitarrenriffs daher.
Im Mittelpunkt der Bewegung stand die aus Seattle stammende Band Nirvana und ihr charismatisch, tragischer Held, Kurt Cobain.
Viele Bands, vorwiegend im Westen der USA schlossen sich dieser Bewegung an und es entwickelten sich auf diese Weise eine Vielzahl von Musikkreationen, die bis dahin undenkbar waren. Man mischte die Stile und es kam etwas raus, das man Crossover nannte.
Punk- Energie, Heavy-Metal-Riffs und Grunge wurde zum Verkaufsschlagen - die Welt stand drauf. Bands wie Soundgarden, Pearl Jam, Alice in Chains oder die Stone Temple Pilots verfeinern diese Offerten. Auch der Kleidungsstil orientierte sich an diesen neuen Helden. Zerrissene Jeans, Karohemden und Turnschuhe, eher Anti-Mode wurde modern und salonfähig.
Die Briten empfanden das als Affront und machten ihre eigene Musik. Britpop entstand als bewusste Abgrenzung zum Grunge. Man fühlte sich kulturell verdrängt, besann sich auf die eigenen Vorbilder von The Beatles, The Smiths, The Who und The Kinks und schuf eine neue Musikära im Sinne eines COOL BRITANIA.
Bands wie Oasis, Blur, Pulp oder Travis sorgten für Furore und wurde zur großen britischen Gitarrenbewegung.
Für die eher softe Seite der 90er Jahre erfand man die Boygroups (später auch Girlgroups), bei denen man junge, schöne Menschen ge-castet hat, die nicht unbedingt Musiker sein mussten, aber sich gut bewegen können mussten.
Show, Choreografie und Optik war alles bei Bands wie Take That, die mit zu den erfolgreichsten Boygroups zählten und aus deren Reihe auch Robbie Williams entsprang.
Diese Entwicklung fand weltweit Nachahmer und auch in den USA wurden solche Boygroups gegründet – mit Erfolg. Eine der berühmtesten Gruppen waren die Backstreet Boys und die Adressaten waren ganz klar junge Mädchen. Ein Fankult entstand. Bis heute funktioniert dieses Prinzip, wenn auch die Akteure inzwischen eher aus Südkorea kommen, BTS heißen und zum K-Pop zählen.
Gleichzeitig oder parallel verlief die Explosion der elektronisch basierten Musik und Berlin spielte hier eine zentrale Rolle im Bereich der Techno Szene. Neben Techno entwickelte sich House, Trance und Drum&Bass, Big Beat, Hip-Hop, Trip-Hop und EBM.
Auch in diesem Bereich gab es Überschneidungen von Stilen und Crossovers. Bekannte Vertreter sind z.B. Daftpunk, Paul van Dyk, Goldie, The Prodigy, The Chemical Brothers, Moby und auch Massiv Attack. In Deutschland heute vor allem auch Paul Kalkbrenner und Robin Schulz.

In dieser Sendung spiele ich Musiktitel aus den 90er Jahren, die aus der Zeit heraus teilweise zu Legenden sind oder aber für mich persönlich diese Bedeutung erlangt haben.
Ein flotter musikalischer Querschnitt durch eine Zeit, die die Musikindustrie prägte und auch heute noch viel Hörbares zu bieten hat.
Von Blur, Moby, Massive Attack oder Rage Against the Machine, um nur einige zu nennen, gestaltet sich die musikalische Auswahl in dieser Stunde abwechslungsreich wie das erstaunliche Jahrzehnt selbst.
Bei aufkommender Nostalgie wenden Sie sich bitte an den DJ Ihres Vertrauens!
Claudia
Für Radio2plus
Hier die Playlist der Sendung:
- Candy – Iggy Pop und Kate Pierson
- Lady Grinning Soul – David Bowie
(Wunsch von Ceddi – Nachtrag zur letzten Sendung)
- Song 2 – Blur
- Missing – Everything but the Girl (Todd – Terry -Remix)
- Incubus – Wish you were here
- Unfinished Symphony – Massive Attack
- Why Does My Heart Feel So Bad – Moby
- You Get What You Give – New Radicals
- Killing In The Name Of – Rage Against The Machine
- Jein – Fettes Brot
- I Belong To You – Lenny Kravitz
- Bittersweet Symphony – The Verve

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