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Die erste audiovisuelle Bürgerfunksendung auf OS-Radio 104,8 aus Osnabrück

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Sendung verpasst? Dafür gibt es hier weitere Informationen zum Thema der Sendung:

Wer die Sendung verpasst hat, kann sie auf OS-Radio noch einmal hören:
Am 22.08.2026 ab 14 Uhr auf 104,8 MHz, DAB+ oder online im Live-Stream.

Stronger than me - Amy Winehouse - Erinnerung an die Sängerin aus London

Eine Stimme, tiefer und älter als ihre Jahre. Ein Bienenstock aus Haaren, dicker Lidstrich, Tätowierungen. Und Lieder, die klingen, als kämen sie aus einem Jazzkeller der Fünfzigerjahre, obwohl sie im London des neuen Jahrtausends entstanden sind.
Herzlich willkommen zu dieser Sendung über Amy Winehouse. Wir betrachten ihre Geschichte: von einem Mädchen aus Nord-London, das Ella Fitzgerald und Frank Sinatra liebte, über den Welterfolg mit „Back to Black“ bis zu ihrem frühen Tod im Juli 2011.
Wir schauen auf ihre musikalische Entwicklung, und wir sprechen auch über das, was nicht zu übersehen ist: ihre Sucht, die am Ende ihr Leben kostete.
Amy Jade Winehouse wird am 14. September 1983 in Southgate im Norden Londons geboren. Ihre Eltern: Mitchell, ein Taxifahrer, und Janis, eine Apothekerin. Musik ist in dieser jüdischen Familie allgegenwärtig. Die Großmutter Cynthia war selbst Sängerin und mit dem legendären Jazzclub-Besitzer Ronnie Scott liiert. Der Vater singt zu Hause gern Sinatra, und Amy singt mit.
Als sie neun ist, trennen sich die Eltern. Später sagt Amy, diese Zeit habe sie geprägt. Sie hört Jazz-Sängerinnen wie Dinah Washington, Sarah Vaughan und Ella Fitzgerald, aber genauso Soul, Motown und Hip-Hop, etwa Salt-N-Pepa. Dieses Gemisch wird später ihr Markenzeichen.
Mit zehn besucht sie die Sylvia Young Theatre School. Sie gilt als talentiert, aber auch als schwierig; mit etwa 14 verlässt sie die Schule. Mit 13 bekommt sie ihre erste Gitarre, mit 14 schreibt sie eigene Songs. Mit 16 singt sie im National Youth Jazz Orchestra, und ihr Freund, der Sänger Tyler James, schickt heimlich ein Demoband an ein Plattenlabel.
Auch das gehört zur Wahrheit: Schon als Teenagerin leidet Amy unter Bulimie, darüber hat sie später offen gesprochen. Sie jobbt, singt in Londoner Pubs und kleinen Clubs, und sie fällt auf, weil sie so ganz anders klingt als die Popstars ihrer Generation. Mit 19 steht sie vor einem Plattenvertrag.

Unser erster Titel stammt von ihrem Debütalbum „Frank“ und war 2003 ihre erste Single. Sie hat ihn mit dem Produzenten Salaam Remi geschrieben: „Stronger Than Me“.Darin bedingt sie einen Mann, der sich für überlegen hält, es aber schlussendlich nicht ist.
Im Oktober 2003 erscheint ihr Debütalbum „Frank“, benannt nach ihrem Idol Sinatra, das sie so nicht nur kopieren wollte. Das Album ist Jazz, Soul und ein bisschen Hip-Hop, die Texte schreibt sie selbst, und sie sind schonungslos ehrlich, frech und oft bitterböse, wenn es um Männer geht.
Die Kritik ist begeistert, das Album wird für den renommierten Mercury Prize nominiert und erreicht in Großbritannien Platin. Für „Stronger Than Me“ bekommt sie 2004 den Ivor Novello Award, den wichtigsten britischen Preis für Songwriter. Amy selbst war mit der Produktion des Albums allerdings nie ganz glücklich; es sei ihr zu glatt geraten.
Zwischen „Frank“ und dem zweiten Album liegen drei Jahre und in diesen Jahren verändert sich Amy Winehouse. Sie trinkt mehr, sie trennt sich von ihrem Freund, sie stürzt sich in den Londoner Nachtleben-Kosmos rund um Camden. Und sie entdeckt die Girl Groups der Sechzigerjahre, die Shangri-Las und die Ronettes.
Mit dem Produzenten Mark Ronson und Salaam Remi entsteht daraus ein neuer Sound: Retro-Soul mit den Bläsern und dem Schlagzeug der Dap-Kings, dazu ihr tiefer, rauchiger Alt. Im Oktober 2006 erscheint „Back to Black“. Es ist ein Trennungsalbum, geschrieben über ihren On-off-Freund Blake Fielder-Civil.
Die erste Single geht auf eine reale Szene zurück: Ihr Management und ihr Umfeld drängen sie, wegen ihres Trinkens in eine Klinik zu gehen. Amy sagt Nein und macht daraus einen Song. Er wird ihr Durchbruch: „Rehab“.
They tried to make me go to rehab, but I said no, no, no.“ Das Lied wird zum Ohrwurm, jedoch mit einem bitteren Beigeschmack im Rückblick.
Damals aber ist er ein Welthit. „Back to Black“ steht in Großbritannien auf Platz eins, in den USA erreicht das Album Platz zwei der Charts, so hoch wie zuvor noch keine britische Sängerin mit einem Debüt dort. Mehr als 16 Millionen Mal verkauft sich das Album weltweit.
Bei den Grammys im Februar 2008 ist Amy sechsmal nominiert und gewinnt fünf Preise, darunter Plattenaufnahme des Jahres und Song des Jahres für „Rehab“ sowie Beste neue Künstlerin. Weil ihr die US-Einreise verweigert wird, singt sie live aus London, per Satellit zugeschaltet. Als ihr Name fällt, schlägt sie die Hände vors Gesicht; später sagt sie, sie würde es gern mit ihrer Mutter feiern.
In dieser Zeit nimmt sie auch mit Mark Ronson den Song „Valerie“ auf, ein Cover der Band The Zutons. Hier ist sie so leicht und so lebendig wie nie.
Während ihre Karriere nach oben schießt, gerät ihr Privatleben außer Kontrolle. Im Mai 2007 heiratet Amy Winehouse Blake Fielder-Civil bei einer Zeremonie in Miami. Beide haben Probleme mit Alkohol und Drogen, und die Beziehung verstärkt das. Amy konsumierte nach eigenen Aussagen Marihuana, Kokain, Ecstasy, später Heroin und Crack, dazu kam der Alkohol. Zeugen beschreiben, dass Blake sie in die harten Drogen hineingezogen habe; er selbst spricht später in einem Interview darüber und bestätigt seine Rolle. Er bedauert auch, was er getan hat. Gleichzeitig spricht er auch darüber, was für eine tolle Zeit sie zusammen hatten.
Der Boulevard macht daraus ein Dauerspektakel. Paparazzi lauern vor ihrer Wohnung in Camden, es gibt Fotos und Videos, die sie in desolatem Zustand zeigen. Konzerte werden abgesagt oder laufen aus dem Ruder, sie wird ausgebuht, sie vergisst Texte, sie schwankt auf der Bühne. Die britische Presse verspottet sie, Comedians machen sie zur Witzfigur. Eine kranke Frau wird zum Ziel von Hohn.  
Das sollten wir an dieser Stelle nicht vergessen: Sucht ist eine Krankheit. Sie trifft nicht nur Stars. Wenn du selbst oder jemand in deinem Umfeld betroffen ist: Hilfe gibt es, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, kostenlos und rund um die Uhr.
In Amys Songs hört man, was sie erlebt. Sie schreibt keine Geschichten über andere, sie schreibt über sich: über Liebe, Abhängigkeit und Schuld.
Der Titelsong ihres zweiten Albums entsteht, nachdem Blake sie vorübergehend verlässt und zu seiner früheren Freundin zurückkehrt. Amy zieht sich zurück, trinkt, schreibt. Heraus kommt ein Lied, das klingt wie ein Nachruf auf eine Liebe, und das sich später wie eine Vorahnung anhört: „Back to Black“. Im dazugehörenden Video trägt sie ihr eigenes Herz zu Grabe und zeigt somit, wie sehr sie verletzt wurde durch die Person, die sie liebte.
Und es wird 2008 nicht besser. Blake Fielder-Civil kommt wegen Körperverletzung und Behinderung der Justiz ins Gefängnis, Amy geht mehrfach in Kliniken, zuletzt mit Verdacht auf Lungenschäden. Ärzte warnen sie, dass sie an einem beginnenden Emphysem leidet. 2009 wird die unheilvolle Ehe endlich geschieden.
Nach der Scheidung versucht Amy, sich zu stabilisieren. Zwischen 2010 und 2011 gelingt es ihr nach Berichten ihres Umfelds, von Heroin und Crack loszukommen. Der Alkohol aber bleibt, und Alkoholentzug ist gefährlich. Es gibt Phasen der Abstinenz, dann wieder Rückfälle. Doch erscheint es so, als sei sie auf einem guten, auf dem richtigen Weg.
Im März 2011 nimmt Amy Winehouse mit ihrem großen Vorbild Tony Bennett in den Londoner Abbey Road Studios ein Duett auf, „Body and Soul“. Bennett sagt später, sie sei eine echte Jazzsängerin gewesen, und die Aufnahme zeigt es: Hier ist sie ruhig, souverän, fast zärtlich.
Doch der Weg dorthin bleibt schwer. Am 18. Juni 2011 tritt Amy in Belgrad auf, betrunken, verwirrt, sie kann kaum singen. Das Publikum buht. Die Europatournee wird abgebrochen. Es sollte ist ihr letzter großer Auftritt sein.
Doch bei dem Duett mit Tony Bennett hören wir noch einmal, wie sie auch klingen konnte. Im September 2011 erscheint das Album Lioness: Hidden Treasures, an ihrem 28. Geburtstag, den sie nicht mehr erlebt hat. Es gewann posthum einen Grammy.
Am 23. Juli 2011 wird Amy Winehouse tot in ihrer Wohnung im Londoner Stadtteil Camden gefunden. Sie wurde nur 27 Jahre alt. Die Nachricht geht um die Welt. Tausende Fans legen Blumen und Kerzen vor ihr Haus.
Die Untersuchung im Oktober 2011 ergibt: Amy starb an einer Alkoholvergiftung. Ihr Blutalkoholwert lag bei rund 0,41 Prozent, mehr als fünfmal so hoch wie das Limit für Autofahrer in Großbritannien. Der Gerichtsmediziner spricht von einem „Unglücksfall“. Hinweise auf harte Drogen in ihrem Blut gibt es nicht. Sie hatte offenbar nach Tagen der Abstinenz wieder getrunken. Damit gehört sie zum sogenannten „Club 27“, jenen Musikern, die mit 27 starben, wie etwa Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison oder auch Kurt Cobain.
Die Familie gründet die Amy Winehouse Foundation, die jungen Menschen bei Sucht und in Notsituationen hilft.
Der Dokumentarfilm „Amy“ gewinnt 2016 den Oscar. Er zeigt, wie Ruhm, Gier und Sucht eine Künstlerin verbrauchen, die eigentlich nur singen wollte. 2024 kommt mit „Back to Black“ auch ein Spielfilm über ihr Leben ins Kino.
Amy Winehouse wurde 27 Jahre alt. Sie hinterlässt zwei Studioalben, die bis heute gespielt werden, und ein Werk, das die Soulmusik ihrer Zeit neu definiert hat. Sie hat uns gezeigt, dass Ehrlichkeit in der Musik wichtiger ist als Perfektion. Und sie hat uns gezeigt, wie gefährlich Ruhm und Sucht zusammen sein können.
Vielleicht ist das der Gedanke, den wir aus dieser Stunde mitnehmen: Hinter jeder großen Stimme steht ein Mensch, der Hilfe braucht. Und Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche.
Amy Winehouse konnte die Hilfe leider nicht annehmen und auch nicht darum bitten.
Uns bleiben ihre Lieder und unten seht ihr die Songliste dieser Sendung:
 
Song 1: Stronger Than Me – Amy Winehouse      
Song 2: Take the Box– Amy Winehouse      
Song 3: Rehab– Amy Winehouse      
Song 4: Valerie– Amy Winehouse (mit Mark Ronson)      
Song 5: Back to Black– Amy Winehouse      
Song 6: You Sent Me Flying– Amy Winehouse      
Song 7: Body and Soul – Amy Winehouse (mit Tony Bennett)      
Song 8: Love Is a Losing Game– Amy Winehouse
Song 9: Suzanne – Raye (mit Mark Ronson)
Song 10: October Song – Amy Winehouse      

Claudia Wolfgramm
für Radio2plus

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Betreiberin:
Claudia Wolfgramm

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